|
Morshausen hat einen reichen Schatz an brauchtümlichen
Eigenheiten. Nicht ganz jeder Monat hat mindestens einen besonderen
Tag.
Die meisten dieser Tage hat der Ort dem katholischen Glauben zu verdanken.
Dieses Thema wird dann auch oft respektvoll eingeflochten, wobei die lustige
Seite des Lebens trotzdem nie zu kurz kommt.
Ganz nach dem sowieso Kalender beginnen wir im ersten Monat
des Jahres und an dessen ersem Tag:
- 01. Januar:
-
vermutlich ist das in vielen Teilen der Erde genauso
wie in Morshausen. Dieser Tag, hinlänglich als 'Neujahrstag'
bekannt heißt in Morshausen 'Neijohrschdaach'. Selbst
a-Heimische erkennen beim Gruß eines Bürgers, daß
es sich um einen außergewöhnlichen Tag handeln muß:
Anstelles des üblichen 'G-Morje', 'Guude' bzw. 'G-Nohmend' (abhänig
von der Tageszeit) wird man mit einem kräftigen 'Prost Neijohr'
gegrüßt.
06. Januar:
-
Das
ist der Tag der Heiligen Drei Könige. In Rheinland-Pfalz wird
er vom Gesetzgeber zwar nicht als Arbeitsfreier Tag anerkannt, in
Morshausen wird er dennoch gebührend als'dreei Kinigsdaach'behandelt.
Am Vormittag gehen die Kinder, die in der Kirche als Messdiener wirken,
mit Weihrauch und Kreide durch das Dorf. Sie bekleiden sich
mit Kostümen, die sie als Kaspar, Melchior, Balthasar und
deren Gefolge erscheinen läßt.
Eines der Kinder beschriftet die Haustüre mit der Zahl des Jahrhunderts,
den Zeichen C+B+M und der Zahl des betreffenden Jahres.
Sollte jemand zu Hause sein, bekommt dieser ein Lied gesungen, etwas
Weihrauch zieht ihm dabei um die Nase und er darf eine freiwillige
Spende für die dritte Welt geben
- Februar:
-
-
Auch in Morshausen ist es Sitte (zu meist) im Februar
noch mal schnell einen Drauf zu machen, bevor die vierzigtägige
Fastenzeit beginnt. Deswegen wurden diese närrischen Tage vermutlich
'Fassenaacht' genannt.
Den 'schwär Donnaschdach' haben die Weiber zu ihrem Tag gemacht
und feiern von den Morgen- bis in die Nachtstunden. Es gibt in Morshausen
einen Möhnenverein, dessen Vorstand aus drei Mitgliederinnen
besteht. Zu dieser Pflicht (haben viel zu organisieren) und Ehre (sind
an Fastnacht die 'Obermöhne) kommt jedes Mitglied, da dieses
Amt jährlich reihum gereicht wird.
Am Morgen des schwer Donnerstag zieht ein Teil der Möhne durch
das Dorf und verkauft Brezel.
Ab
ca. 14.00 Uhr ziehen sie einen Bollerwagen hinter sich her,
um den nachlaufenden Kindern ein paar Süßigkeiten zuzuwerfen.
Zwischendurch hatten sie die Möglichkeit im reservierten Saal
des Gasthauses Schmitt ein Mittagessen einzunehmen. Am Nachmittag
geht es im Saal weiter mit Kaffee und Kuchen und Vorträgen
einzelner Gruppen der Möhne. Dabei wird oft der Dorfklatsch in
witzigen Versen zum Besten gegeben.
Wenn die letzten Aufführungen dargebracht worden sind, sorgt
ein Alleinunterhalter für die Stimmung bis in die sehr späten
Abendstunden.
Am Samstag findet in der Bürgerhalle eine Kappensitzung
statt, die 1992 von Sabine Christmann und Hartmut Karpus ins Leben
gerufen worden ist.
Der Saal ist immer voll besetzt und sorgt so für klingende Kassen
beim Veranstalter (Sportverein Morshausen/Beulich). Das Programm beginnt
um 20.11 Uhr elf und dauert meist bis Mitternacht an.
Am Rosenmontag gehen die Kinder am Vormittag
von Haus zu Haus und ersingen etwas zum Naschen oder zum Spielen.
Manchmal bekommen sie auch Eier, die sie dann an die Mutter oder einen
der nächstn Haushalte weiterverkaufen.
Ostern:
-
Während der Ostertage dürfen ob der Trauertage
keine Glocken geläutet werden. Aus diesem Grund gehen die Kinder
mit sogenannten Rumpelkästen durch das Dorf, um die Tageszeiten
auszurufen und die Leute gegebenfalls
in die Messe zu bitten.
Um 6.00 Uhr beginnen sie mit dem Ruf 'Aaaave Maire - aus da Bedda',
mittags folgt 'Midaach, Haahne kraach, iwwa
morje on dann dää Daach is Usdadaach, abends
'Aaaave Maire - in die Bedda' und wenn es in die Kirche gehen
soll 'Aaaave Maire - in die Keersch.
Genau heißt das: Ave Maria - aus den Betten, in die Betten bzw.
in die Kirche rein, mittag, Hahn kräht, übermorgen und dann
der Tag ist Ostertag. Letzteres wird wochentagbedingt entsprechend
angepasst.
An den Ostertagen finden
Kirchgänge und folgende Tradition statt:
-
Am Karfreitag - ürsprünglich an Gründonnerstag
- werden nach einem alten Brauch Stuzenwecken ausgeteilt, der
mit Butter bestrichen einfach köstlich schmeckt.
Zu diesem Brauch kam es durch Johannes Kneip, geboren am 19.05.1729.
Er verbrachte seine Kindheit in Morshausen und wohnte in dem Haus
'Franze-Lorenze'. Als junger Bursche verließ er das Dorf und
ging nach Dänemark. In Kopenhagen erhielt er die Bürgerrechte.
Dort versuchte er sich als Weinhändler und gelangte zu Reichtum.
1782 machte er folgendes Testament:
'Ich, Johannes Kneip, verschreibe
hiermit das Letzte, so ich mein Eigen nenne auf dieser Welt - dreihundert
Gulden dänischer Währung für die Kirche der Gemeinde
Morshausen, im Trierischen gelegen. Ein gut Stück Acker soll
man dafür kaufen und den Pachtzins soll man also verwenden: Alljährlich
in der Karwoche soll man davon Stutzwecken backen und etliche Quart
Wein kaufen und auf Gründonnerstag sollen in der Kirche alle
Armen, Elenden und die Kinder vom Dorf zusammenkommen, allda für
meine arme Seele zu beten und im Gedenken an Christi Abendmahl sollen
sie die Wecken essen, so von den Kirchenschöffen gehälftet,
in Wein getunkt und ausgeteilt werden. Wenn aber in jenen Tagen der
Trauer, wo keine Glocke mehr läutet, die Buben mit den Klappern
durchs Dorf laufen und die Tageszeiten ausrufen, so sollen sie dahinter
jeweils rufen: 'Herr erbarme dich des armen Johannes'. Am ersten Ostertag
aber sollen alle Schöffen und Bauern auf der großen Rathausstube
zusammentreten, sollen ein Vaterunser sprechen für meine Seele,
sodann in Fröhlichkeit und guter Zuversicht auf neues Wachstum
in Wiese, Feld und Wald sich Eintracht, Treu und chistliche Hilf'
geloben, wobei sie den Rest des Weines trinken und aufs neue die Pacht
vergeben sollen'.
Obige Summe übergeben dem Priester des Spitals St. Emmeran, der
mir gehen half meinen letzten Weg.
In Christi Namen allen, die dies lesen, Gottes Segen, Gruß und
Wohlergehen.
Kopenhagen auf St. Martin 1782
>Johannes Kneip<
-
Nun, da wir uns im
20sten Jahrhundert befinden, wird nicht mehr ganz so genau
auf die Worte des armen Johannes gehört.
Nicht nur, daß beim Klappern inzwischen Mädchen teilnehmen,
sondern beim Ausrufen der Tageszeiten wird sein Name nicht mehr erwähnt.
Die Schöffen treten auch nicht mehr in der Rathausstube (Im heutigen
Backes) zusammen, die Wecke werden nicht mehr in Wein getunkt und
längst nicht nur an die Armen, Elenden und Kinder verteilt. Stattdessen
kommt am Karfreitag fast aus jedem Morshausener Haus mindestens
einer in die Kirche, um nach ein paar gesprochen 'Vaterunser' Stutzwecken
für die ganze Familie in Empfang zu nehmen. Die Pacht genügt
leider auch nicht mehr, um dem Beulicher Becker seine Arbeit zu entlohnen,
so daß die ganze Tradition gesponsert werden muß. Bleibt
im Sinne der Gaumenfreude zu Hoffen, daß sie noch recht lange
erhalten bleibt.

Fronleichnam:
-
-
Das Murscher Dorffest ist unumstritten der Höhepunkt
der jährlichen Festlichkeiten. Irgendwann zwischen Mai und Juni
findet dieses Fest Mittwochs und Donnerstags auf Fronleichnam statt.
Schon im Vorfeld ist das halbe Dorf wegen der Vorbereitungen auf den
Beinen. Gegen Mittwoch Abend, ca. 23:00, kann sich das halbe Dorf
schon nicht mehr auf den Beinen halten. Am Donnerstag wird den ganzen
Tag auf dem Festplatz in und vor dem Zelt gefeiert. Die nachfolgenden
Bilder zeigen ein paar Eindrücke. Wir werden Sie rechtzeitig
über das kommende Fest informieren.
| |
|
| Aus aller Herren Länder kommen die Gäste angereist.
So ist hier neben Franjo P. aus Kroatien sogar ein Vertreter aus
Beulich (2.v.r.u.v.l.). Der im Hintergrund deutlich lesbare Schriftzug
der lokalen Brauerei brachte den wirtschaftlich wenig versierten
Betreibern dieser Seite noch keine müde Mark. |
 |
| "Size doesn't matter": ein Ausspruch aus dem Angelsächsischen
besagt, daß man seine Mutter nicht zu siezen braucht - was
könnte besser zu diesem gesellschaftlichen Anlaß passen?
Bezahlen muß übrigens immer der, der so ungeschickt
ist, als erster zu bestellen. Merke: wer gleich zwei Bier ordert,
kann sich beruhigt an die Theke lehnen. |
 |
| Auch Sitzen läßt sich draußen vortrefflich,
wenn das Wetter, so wie jedes Jahr, mitspielt. Auf Edelgarnituren
aus Massivholz sitzt es sich auch mit mehr als 0,5 Promille sicher
und vollkommen legal. Wer danach doch noch Auto fährt, lernt
oft schon bald das entgegenkommende Verhalten der Polizei als
Freund und Helfer desjenigen kennen, der gerne auch etwas länger
sitzt. |
 |
| Dieser Gast macht es richtig: Wer nichts zu verbergen hat, braucht
auch nichts zu verstecken. Auch nicht, wenn man (wie die Begleitung)
nicht aus Morshausen, sondern aus G.-hausen (bei Morshausen) kommt.
Auch diese Gäste werden mit Sicherheit 1999 wieder dabei
sein, wenn auch Sie unserer Einladung zum Dorffest folgen. |
 |
-
-
- Drittes Wochenende im September:
-
-
Der Schutzpatron der Filialkirche Morshausen heißt
Lambertus, ihm wurde von der kath. Kirche der 18.9. zugedacht.
Seit 1995 organisieren die Dorfjugend immer am dritten Wochende im
september die Kirmes in Morshausen. Der Veranstaltungsort hat sich
in dieser Zeit mehrfach geändert, jedoch dürfte sich die Bürgerhalle
nun etabliert haben und die veranstaltung mit dem Dorffest als Höhepunkt
gleichgezogen haben. Das SOUNDHALL-TOURNAMENT
(ein Nachwuchswettbewerb für Bands aus der Region) macht Freitags
den Auftakt. Der Samstag wird meist von einer Tanzband begleitet und
ist besonders für Besucher über 30 Jahre geeignet. Der Sonntag bietet
dann Spiel, Spaß und Unterhaltung für alle Altergruppen, wie die Bilder
der letzten Veranstaltungen unter Neuigkeiten
zeigen.
-
-
- Ende November:
-
In dieser Zeit wird allmählich Holz aus dem Wald
für das Martinsfeuer gesammelt.
Dieses Zusammentragen von Holz für das Martinsfeuer wird in Morshausen
Schlaiwe genannt.
- November:
-
Um den 11. November
findet in Morshausen der Martinszug statt.
Der St. Martin sitzt hoch zu Roß und führt den Zug durch
das Dorf und anschließend zum Feuer, das bereits zum lodern
gebracht worden ist. Gleich hinter dem Pferd geht die Musikkapelle
und danach folgen die singenden Kinder und Erwachsenen, welche zumeist
mit Laternen bzw. Taschenlampen ausgerüstet sind.
Am Feuer wird Glühwein und Schnaps für die Erwachsenen verteilt
und der St. Martin teilt Weckmänner für die Kinder aus.
Nach einer Weile löst sich die Gesellschaft wieder auf. Die meisten
gehen wieder nach Hause, einige wenige beenden
den Abend in einer gemütlich Runde in Wisjes.
-
-
Dezember:
-
Die
Adventszeit ist für die meisten Morshausener eine besonders feierliche
Zeit. Die Kirche wird mit einem großen Adventskranz bestückt,
welcher in freiwilleger Arbeit von Morshausener Frauen jedes Jahr
aufs neue gebunden wird.
Am Vorabend des Nikolaustages verkleiden sich ein paar Jungen im alter
von etwa 14 bis 15 Jahren und ziehen als Nikolaus uns Knecht Ruprecht
von Haus zu Haus. Wenn sie ihren Job gut machen, loben und mahnen
sie die Kinder etwas und überreichen ggf. ein Geschenk. Als Dankeschön
bekommen sie von den Hausbewohnern ein kleines Trinkgeld und ein Schlückchen
von Hausgeist.
Während die Weihnachtstage immer näher kommen, werden rund
um die Fenster gschmückt und viele Bäume mit Lichterketten
behangen. In vielen Häusern werden Kuchen und Plätzchen
gebacken. In der Kirche werden zu beiden Seiten des Hauptaltars große
Tannenbäume aufgestellt und mit Lichterketten und Strohsternen
geschmückt.
Kurz vor Weihnachten wird in der Kirche eine sehr schöne Grippe
aufgestellt, deren Landschaft mir Moos ausgelegt wird.
Am heiligen Abend gehen ein paar Mädchen im alter von etwa 14
bis 15 Jahren durch das Dorf. Eines ist immer als Christkind verkleidet
und tritt stumm vor die Kinder hin. Die Mädchen, die es begleiten
nehmen gerne ein Trinkgeld an und gehen dann weiter in das nächste
Haus.
-
-
Sylvester:
-
-
Am
31.12. wird auch in Morshausen Sylvester gefeiert. Viele verbinden
das mit einer Wanderung durch das Ehrbach- oder Baybachtal. Dort wird
in vielen Mühlen Rast gemacht und nahrhafte Stärkung aufgenommen.
Der Abend wird meistens im Dorf, z.B. in Wisjes oder im Jugendraum
verbracht.
|